Richard Wilhelm von Neutitschein – Warum die Sowjets die Juden vernichten

Lenin c. 1887.

Lenin 1907

Der Kampf für die rote Assimilation und gegen den Zionismus.

Von Winfried Martin. Zu den offenbar unausrottbaren Irrtümern gehört die Vorstellung, die Judeaemanzipation sei durch philosemitische Strömungen in Gang gekommen. In Wirklichkeit erfolgte sie aus der Dogmatik der Aufklärung heraus, welche die Differenzierungen des Menschengeschlechts hinzunehmen nicht bereit war. Am wenigsten neigte der Chauvinismus der Französischen Revolution dazu, Abweichungen von der nationalen Noim zu tolerieren: wenn er sogar an der bretonischen Mundart Anstoß nahm, dann konnte er die Existenz einer nach Sprache, Religion, Lebensstil und Kleidung so deutlich von der Umwelt unterschiedenen Gruppe wie der jüdischen erst recht nicht ertragen. Eben diese national religiöse Eigenheit, die das Weltbild der Aufklärung beträchtlich stören mußte, zu beseitigen, war die eigentliche Triebkraft der Emanzipation. Sie wurde daher an eine Bedingung geknüpft: daß die Juden sich assimilierten. Wir besitzen eine Fülle historischer Zeugnisse dafür. Die klassische Formel prägte Clermont Tonnerre in der Nationalversammlung am 21. Dezember 1789: „Den Juden als Nation ist alles zu verweigern, den Juden als Menschen aber ist alles zu gewähren Nicht minder deutlich war Napoleon, als er 1806 in der von ihm einberufenen Versammlung jüdischer Notabein ziemlich unverhüllt den Juden die Entziehung der Bürgerrechte androhte, falls sie nicht „Franzosen“ sein wollten, und von- dem „Großen Synhedrion“ (Februar 1807) erhoffte er, es werde die Mischehe fördern, damit, wie er Champagny schrieb, „das jüdische Blut seine spezifische Essenz verliere“.

Da die jüdische Religion, der Judaismus also, die jüdische Nation zur absoluten Voraussetzung hat, es demnach keine jüdische „Konfession“ im Sinne des Katholizismus oder Protestantismus geben kann, da der jüdischen Nation aber „alles zu verweigern“ war, so stellte die Emanzipation keinen philosemitischen, sondern eher einen antisemitischen Akt dar: richtete er sich auch nicht gegen das jüdische Individuum, so zielte er um so nachhaltiger auf die Vernichtung des Judaismus und auf die Auflösung des Judentums als seines biologischen Trägers. Von der uns geläufigeren Form des Antisemitismus unterschied sich der der aufklärerischen Emanzipation lediglich in der Methodik und darin, daß dieser rational war, jener aber eir irrationaler Reflex ist: vollständig einig aber sind sich beide in der negativen Bewertung des Judentums und in der Hoffnung, es werde verschwinden. Was derHitlerAntisemitismus durch physische Vernichtung der einzelnen Juden zu erreichen suchte wollte die Aufklärung durch die Assimilation, also durch die Entjudung des einzelnen durchsetzen, wobei die Emanzipation das zentrale Mittel ajgab. Nahezu der ganze „Philosemitismus“ des 19. Jahrhunderts, auch dort, wo er gefühlsmäßig seht war, lief auf diesen Wunsch hinaus.

Überall bestand der Unterschied zwischen den Gegnern und den Befürwortern der Emanzipation weniger in einer verschiedenen Bewertung des Judentums als vielmehr darin, daß diese die Assimilation für möglich, jene aber sie für unmöglich hielten.

Entscheidend war, daß das westliche Judentum, seinerseits von den Ideen der Aufkläruog ergriffen, deren negatives Werturteil übernahm und ein Unbehagen über seine eigene Existenz zu empfinden begann. Seit etwa 1806 galt bei den französischen Juden der Ausdruck julj daher als entehrend, an dessen Stelle sie hebrett oder israelite gesetzt wissen wollten, so wie das deutsche Judentum fortan aus dem gleichen Grunde nicht mehr jüdisdi“, sondern „mosaisch“ oder „israelitisch“ genannt zu werden wünschte: es entstand der „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens“. Nun auch kam die Konvention auf, daß Christen im Verkehr mit Juden vorzugeben hatten, sie wüßten nicht, daß diese Juden seien. Durch Mischehen und Massentaufen kam das Judentum der ihm auferlegten Bedingung seiner Emanzipation nach, und soweit es noch gewisse Hemmungen hatte, mit der Taufe das „Entreebillet zur europäischen Kultur“ (Heine) zu erwerben, bemühte es sich gleichwohl um das Unmögliche, nämlich um eine anationale, „konfessionelle“ Deutung seiner Religion, die es durch dem liberalen Protestantismus abgelauschte „Reformen“, durch Reduzierung auf seine „wahren“ und „überzeitlichen“ Werte schließlich bis zur Unkenntlichkeit verdünnte und damit nur eine Zwischenphase im Prozeß der totalen Entjudung schuf.

Das Sinnen und Trachten des westlichen Judentums und jenes ostjüdischen, städtischen Teils, der sich gleichfalls der Aufklärung öffnete, war fortan auf die Flucht vor der Judenfrage gerichtet. Diejenigen Juden, die dem liberalen Rezept schließlich nicht mehr die Lösung der Judenfrage zjuträuten, andererseits aber auch nicht den Weg zu der neuen Botschaft des Zionismus (1896) fanden, ergaben sich nun der Heilslehre des Sozialismus, der das automatische Ende der Judenfrage in der „klassenlosen Gesellschaft“ in Aussicht stellte. Hier, in der Flucht vor der Judenfrage, liegt die tiefste psychologische Wurzel der starken Anteilnahme des Judentums an den sozialistischen und kommunistischen Richtungen aller Spielarten. In den Hierarchien dieser von Arbeitern getragenen Bewegungen mußte den Juden bald dank ihrer intellektuellen Beweglichkeit eine beträchtliche Rolle von selbst zufallen. In Rußland trat als zusätzliches Motiv der Wunsch hinzu, der Unterdrückungspolitik des Zarismus zu entgehen.

Mit der bolschewistischen Revolution sollte sich im Bereich der Judenfrage in erstaunlicher Parallelität der Motivenkomplex und der Mechanismus der Aufklärung wiederholen. Zwar anerkannten die Bolschewisten eine jüdische „Nation“, als deren Spitzen Vertretung die Jewsekzija („Jüdische Sektion“) das Kommissariat für jüdische Angelegenheiten 1917 übernahm. Aber die Anerkennung als „Nation“ bedeutete nur das Recht, in eigenen Schulen und auf Jiddisch die Hymnen auf Lenin, Stalin oder den Fünfjahresplan anzustimmen, so wie sich der Status auch der anderen Nationalitäten der Sowjetunion im wesentlichen in dem entsprechenden „Recht“ erschöpft. Auch die Sowjets boten den Juden eine volle Emanzipation, doch unter der Bedingung, daß sie Bolschewisten würden. Da auch das nicht ohne radikale Zerstörung des Judaismus möglich war, so übernahm die Jewsekzija nun die Aufgabe der Entjudung, indem sie gegen die jüdisehen Feiertage und die hebräische Sprache (die im Übergangsstadium durch die jiddische ersetzt werden sollte) eine umfassende Agitation entfaltete, und sie war es auch, die 1928 die „Jüdische Autonome Republik“ in Biro Bidjan (Sibirien) lediglich zu dem Zweck gründete, ein propagandistisches Gegenstück zum Zionismus zu schaffen. Selbstverständlich wurde schon 1917 jede Tätigkeit für dea Zionismus, der ex cathedra als „Handlanger des britischen Imperialismus“ definiert wurde, ebenso wie die Auswanderung nach Palästina unter strengste Strafe gestellt. Daß gleichzeitig auch der Antisemitismus im üblichen, „bourgeoisen“ Sinne unter nicht weniger harten Strafen gestellt wurde, widersprach der Logik nicht.

Den Säuberungsprozessen der dreißiger Jahre kam noch keinerlei antisemitische Bedeutung zu: die hohe Zahl der jüdischen Angeklagten ergab sich vielmehr automatisch aus dem damals noch hohen Anteil der Juden an der Spitzengruppe. Bald jedoch begann sich ein „kalter“ Antisemitismus in der Tendenz zu zeigen, Juden den Auf stieg in der Hierarchie zu erschweren.

Richard Wilhelm von Neutitschein

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