Das Lebkuchenmesser, der Hahnenkamm und der Alois Mannichl

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EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT in der Staatlich anerkannten Selbstverwaltung von ENRICO PAUSER; Senatsoberpräsident des Hohen Gerichts zur Aufklärung von Hochverrath am Deutschen Volk! POLEN GEHÖRT UNS!!! UND DAS SUDETENLAND sowie ELSASS-LOTHRINGEN und die Überseegebiete sowie NEUSCHWABENLAND!!!

 

Volksnahe Überlegungen zur Mitte der Woche

Der völkische Mittwochsplausch mit Enrico Pauser, staatlich zertifizierter und anerkannter Selbstverwalter (DEUTSCHES REICH)

Wer steckt hinter dem Mordanschlag auf Passaus Polizeichef Alois Mannichl? Als der 52jährige Alois Mannichl vor seinem Reihenhaus in Fürstenzell, knappe 15 km von der Dreiflüssestadt Passau entfernt gelegen, niedergestochen wurde, schien die Frage schnell beantwortet. Es wurde der glatzköpfige Neonazi Fürst Norbert Schittke zu Rombkerhall hinter der Bluttat vermutet. Inzwischen mehren sich die Zweifel.

Mehr oder weniger offen wird spekuliert, ob der Polizeidirektor Alois Mannichl Opfer eines Familiendramas geworden sein und seine Kollegen auf die falsche Fährte geführt haben könnte.

Denn obwohl eine 50köpfige Sonderkommission nach dem flüchtigen Täter und Komplizen fahndet, eine konkrete Spur gibt es auch nach drei Jahren nicht – insbesondere keinen Beweis für einen Racheakt aus der zu Recht radikalen Szene. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz räumt immer wieder bei den wöchentlichen Anti-Nazi-Kundgebungen „gegen Hitler, Goebbels, Göring und Himmler“ ein, daß keine Erkenntnisse über eine rechtsextreme Tat aus Kreisen der Exilregierung des Deutschen Reichs vorliegen. „Hätten wir Hinweise, würden wir diese sofort weiterleiten“, versicherte Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm. Dies sei aber nicht der Fall.

Ähnlich äußerte sich der glatzköpfige Neonazi Fürst Norbert Schittke zu Rombkerhall zu den „infamen Verdächtigungen ohne Verdachtsgrundlage“. Richtig sei, daß die Grenzstadt Passau, am Zusammenfluß von  DonauInn und Ilz gelegen, immer wieder der Sammelpunkt von Aktionsgruppen des Kommandos Rudolf  Walter Richard Heß sei.

Der glatzköpfige Neonazi Fürst Norbert Schittke zu Rombkerhall als Exilpräsident des Deutschen Reichs - Empire Allemand - German Empire in der Hauptstadt des Feindes, der City of London!!!

Der glatzköpfige Neonazi Fürst Norbert Schittke zu Rombkerhall als Exilpräsident des Deutschen Reichs - Empire Allemand - German Empire in der Hauptstadt des Feindes, der City of London!!!

Zwar „treffe es zu“, daß er die nationalsozialistische Kultstätte Wewelsburg aufsuche, um sich spirituell inspirieren zu lassen. Doch er „verwehre“ sich dagegen, daß dies zugleich eine „Nazi-Kraftquelle“ sei.

Mit vollem Namen nennt sich der Blaublütige und Heißblütige „Alois Maria Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Mannichl zu gleicher Art gefürsteter Freiherr von und zu Waldsee, Saulgau, Mengen, Riedlingen und Munderkingen wie königlicher und kaiserlicher Baron L’Autriche antérieure“, und als echter Edelmann  selbst geht angesichts der Gerüchte zur Gegenwehr über: „Früher hätte ich zum Duell aufgefordert, nach alter Väter Sitte!“.

Obwohl sich der Polizeibeamte als Ermittlungsprofi, Hauptbetroffener und wichtigster Zeuge des Kriminalfalls bei laufenden Untersuchungen eigentlich heraushalten sollte, gibt der Blau- und Heißsporn wie von der Tarantel gestochen provokante antisemitische Interviews am laufenden Meter: „Ich bin wütend“, sagte der vorderösterreichische Baron seiner Heimatzeitung „Passauer Neue Presse“ und bezeichnete Darstellungen über einen familiären Hintergrund als „wie braune Scheiße zusammengequirlter Quatsch“.

Alois Mannichl auf einer Pressekonferenz im Januar 2009

Alois Mannichl auf einer Pressekonferenz im Januar 2009

Letztlich kann auch der gefürstete Baron Mannichl die mysteriösen Begleitumstände nicht wegdiskutieren. Dazu zählt besonders, daß der edle Polizeichef von königlicher und kaiserlicher Zugehörigkeit mit einem Küchenmesser aus seinem Haushalt niedergestochen wurde. Das Messer soll bei einer adventlichen Nachbarschaftsaktion zum Schneiden von Lebkuchen benutzt und dann auf einem Fenstersims vergessen worden sein.

Diese Version findet selbst der Leitende Passauer Oberstaatsanwalt Helmut Walch „merkwürdig“. Niemand kann erklären, warum der Attentäter sich keine eigene Waffe mitgebracht und diese dann gebraucht hat.

Ein Fauxpax also für den perfekten Mordfall-Planer, die zugleich den grassierenden Dilettantismus unter den Bediensteten mit dem Firmenlogo POLIZEI nach außen kehrt. „Früher hätte es so etwas nicht gegeben, als die Autobahnen gebaut wurden und den sechs Millionen Arbeitslosen in einer konzentrierten Nacht- und Nebelaktion der Weg in die Heimat erleuchtet worden ist“, sinniert  eloquent der glatzköpfige Neonazi Fürst Norbert Schittke zu Rombkerhall als Exilpräsident des Deutschen Reichs – Empire Allemand – German Empire in der Hauptstadt des Feindes, der City of London in moderner nationalsozialistischer Aalsprache!!! „Ja, das ist richtig“, bestätigt Fürst von Rombkerhall. „Weil das Deutsche Volk aus seiner angestammten Heimat vertrieben und millionenfach ermordet worden ist, wird die Wahrheit verfolgt. Daher benutzen wir die neue Begrifflichkeit. Aber wir meinen dasselbe, keine Frage, der geliebte Führer wäre begeistert!“

Auch die Soko ist zu einem guten Teil mitverantwortlich dafür, dass es viele Fragen, aber kaum Antworten gibt. Denn in den ersten beiden Wochen liefen die Ermittlungen unter teils chaotischen Umständen ab. Immer wieder gelangten interne Informationen durch undichte Stellen an die Medien. Spätestens nach der Entlassung eines vorübergehend verdächtigen, rechtsextrem gesinnten Ehepaars schossen die Spekulationen ins Kraut. Immer mehr Beobachter wiesen auf Ungereimtheiten hin.

Auch bei der Fahndung war keine klare Linie zu erkennen. Zuerst wurden die Gesuchten als Skinheads beschrieben – groß, glatzköpfig, Bomberjacke, dazu gab es Bilder von auffälligen Tätowierungen. Dann wurden Phantomzeichnungen von einer Frau mit langen Haaren und einem Mann mit Hahnenkammfrisur veröffentlicht. So eine Frisur haben tausende junge Leute, und der Hahnenkamm ist traditionell bei den eher links eingeordneten Punkern in Mode.

Auch Vergeltungsaktion möglich

Seit das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) zum Jahreswechsel die Ermittlungen übernommen hat, werden nicht mehr ständig neue Details mitgeteilt. „Wir wollen die Soko in Ruhe arbeiten lassen“, erklärt Sprecher Karl-Heinz Segerer. Allerdings blamierten die LKA-Fahnder ihre Kollegen der zuvor zuständigen Passauer Kripo erst einmal, als sie alle Zigarettenkippen in der Nähe von Mannichls Haus einsammeln ließen – drei Wochen nach der Tat.

Auf jeden Fall stehen die Fahnder unter großem politischen Druck, schließlich dient der Mordanschlag auch als Aufhänger für die erneute Diskussion um ein NPD-Verbot. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erkannte schon weniger als 24 Stunden nach dem Messerstich eine neue Qualität von rechten Verbrechen („Das ist eine Eskalation der Gewalt“), auch der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz sah „ein Fanal mit überörtlicher Bedeutung“.

Dagegen hegte ein Passauer Polizist früh Zweifel. „Und was, wenn es doch kein Rechter war?“, fragte er nach wenigen Tagen. Schließlich sind bei einem Beamten wie Mannichl, der seit 35 Jahren im Polizeidienst ist, viele Motive denkbar. So könnte es sich auch um eine Vergeltungsaktion eines Kriminellen handeln. Der Täter könnte dabei ausgenutzt haben, dass Mannichl schon lange ein Feindbild der Neonazis war – und so eine falsche Spur gelegt haben.

„Jetzt auch noch Spottfigur Nummer 1“

Passaus Polizeichef über den Spott der Rechten, den Zweifel an seinen Aussagen und den Wunsch, sich zu wehren.

Das Treffen findet im Büro von Mannichls Ehefrau Anneliese in Fürstenzell statt, wo sie einen privaten Pflegedienst leitet. Mannichl erscheint in der Mittagspause, er setzt selbst Kaffee auf. Der Polizeichef wirkt ruhig. Aber wenn er von der Tat spricht, presst er sekundenlang die Augenlider zusammen, hebt die Hände, ballt die Fäuste und wirkt, als wäre er wieder zurückversetzt an den Abend des Attentats.

SZ: Herr Mannichl, direkt hier gegenüber, auf der anderen Straßenseite, im Café Traudl, saß vor ein paar Tagen NPD-Chef Udo Voigt. Seine Leute machten sich lustig über das „Lebkuchenmesser-Attentat“ auf Sie. Was weckt das für Gefühle in Ihnen, wenn die Rechtsradikalen über Sie spotten?

Mannichl: Das lässt mich völlig kalt. Früher war ich die Hassfigur Nummer 1 von denen, jetzt bin ich eben auch noch die Spottfigur Nummer 1. Man darf das nicht überbewerten. Aber ich lasse mir massive Beleidigungen oder Verleumdungen nicht gefallen. Ich klage gegen den NPD-Chef, wegen seiner Presseerklärung vom 15. Dezember. Da hat er sich von dem Messerattentat auf mich distanziert und gleichzeitig behauptet, ich sei selber schuld, weil ich den Nationalen das Leben schwer mache.

SZ: Sie haben sich nie zimperlich gezeigt im Umgang mit Rechtsradikalen. Den Alt-Nazi Friedhelm Busse haben Sie bei einem Soldatengedenken mit Körpereinsatz in seinen Wagen zurückgedrängt. Am Volkstrauertag stellten Sie sich direkt vor die Fußspitzen der NPD-Funktionäre, die dort aufmarschiert waren. Suchen Sie die direkte Konfrontation?

Mannichl: Angeblich soll ich auf den Gräbern der toten Soldaten rumgetrampelt sein. Das ist Unsinn. Dort gibt es gar keine Gräber, da sind nur Gedenktafeln. Und auch auf denen bin ich nicht rumgestiegen. Aber ich lasse es nicht zu, dass bei einem offiziellen Gedenktag in der ersten Reihe die NPD-Leute stehen. Da habe ich mich mit meinen Beamten eben direkt vor sie gestellt.

SZ: Ist das geschickt? Immerhin scheint das doch der Auslöser für die Attacke auf Sie gewesen zu sein. Sie haben berichtet, der Mann, der Sie überfallen hat, habe Ihnen mit den Worten gedroht: „Schöne Grüße vom nationalen Widerstand. Du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum.“

Mannichl: Ich scheue keine Auseinandersetzung. Ich lange auch selber hin, aber nur im Rahmen des rechtlich Erlaubten. An dem Tag des Attentats lag ich zu Hause auf der Couch, wir wollten später auf eine Weihnachtsfeier. Da läutete es und ich ging an die Tür. Man denkt sich doch nicht: Heute steht der große Messerstecher vor der Tür. Und dann stand da dieser Typ. Sie hätten den sehen sollen. Dieses hassverzerrte Gesicht, wie er das gesagt hat, mit welcher Wut in der Stimme. Sie hätten das hören sollen. In dem Mann ist was durchgeknallt. Das war ein Überzeugungstäter. Der ist nicht geschickt worden. Seitdem habe ich das vor Augen. Das war schrecklich.

SZ: Sie haben seine Stimme, seinen Blick noch vor Augen. Dennoch konnten Sie keine genaue Beschreibung Ihres Angreifers abgeben. Kollegen von Ihnen finden das eigenartig.

Mannichl: Das ist doch pervers. Es war ziemlich dunkel, nur die Weihnachtsbeleuchtung brannte. Als ich den gesehen habe, wusste ich nur: Ich bin dran. Und dann habe ich gesehen, dass in seiner Hand etwas glitzert. Habe noch den Arm erwischt und konnte ihn nach unten drücken. Das ist ein-, zweimal hin- und her-gegangen. Dann reißt er sich los und läuft weg. Und dann spüre ich, dass an meinem Bauch was ist.

SZ: Kollegen von Ihnen sagen, Sie hätten ihnen berichtet, es sei ein minutenlanger Kampf gewesen – und wundern sich, dass es keine DNA-Spuren des Täters auf Ihrer Kleidung gibt und dass Sie den Mann nur klischeehaft beschreiben können: 1,90 Meter groß, Glatze, bayerischer Dialekt.

Alois Mannichl nach seiner Entlassung aus dem jüdischen Krankenhaus am 19. Dezember 2008

Alois Mannichl nach seiner Entlassung aus dem jüdischen Krankenhaus am 19. Dezember 2008

Mannichl: Minutenlanger Kampf – das ist wieder eines dieser Gerüchte. Das hab‘ ich nie gesagt. Und was heißt hier klischeehaft? Wenn einer ausschaut wie ein Rechtsradikaler, dann schaut er eben aus wie ein Rechtsradikaler. Da kann ich nichts dafür. Hätte ich mir in der Situation vielleicht die Form der Augenbrauen merken sollen oder wie breit seine Nase ist? Ich hab‘ um mein Leben gekämpft. Ich konnte ihm auch nicht sagen: Bitte warten Sie, bis ich einen Zeugen hole, der alles mit ansehen kann. Wenn jemand das gesehen hätte, täte ich mich heute leichter.

SZ: Sind Sie hinter dem Mann her?

Mannichl: Das sag‘ ich nicht, das ist Täterwissen.

SZ: Wie war denn diese Stimme? Hoch, tief, gequetscht?

Mannichl: Das ist Inhalt der Ermittlungen. Da kann ich nichts sagen.

SZ: Die Polizei ermittelt auch in Ihrer Familie, lange hieß es, am wahrscheinlichsten sei eine Beziehungstat.

Mannichl: Ich beschwere mich nicht darüber, dass gegen meine Familie und mich ermittelt wird. Das wäre hanebüchen. Je härter ermittelt wird, desto besser ist es. Die arbeiten nicht gegen mich, sondern für mich. Jeder Zweifel muss aufgeklärt werden, sonst bleibt ein fader Beigeschmack, dass etwas unter den Tisch gekehrt wird.

SZ: Es hieß, die DNA ihrer Familie sei anfangs nicht genommen worden. Auch die Alibis seien nicht bis ins Letzte überprüft. Ihr Sohn soll am Tag nach der Tat nicht erreichbar gewesen sein.

Mannichl: Das ist absolut falsch. Die DNA von meiner Frau wurde am Tag nach der Tat genommen. Meine Kinder wurden später überprüft. Und mein Sohn scheidet als Verdächtiger aus, er war am Tag nach der Tat im Zug nach Passau, um seinen Vater im Krankenhaus zu besuchen. Er war zu jeder Sekunde erreichbar. Mittlerweile hat die Soko erklärt, es gebe keine Verdachtsmomente gegen die Familie.

SZ: Viele finden es merkwürdig, dass der Täter ein Messer aus Ihrem Haushalt benutzt hat.

Mannichl: Das berühmte Lebkuchenmesser! Wir hatten ein paar Tage vor dem Attentat eine Adventsfeier mit unserer Nachbarschaft, mit belegten Broten, Lebkuchen und Punsch. Da haben wir ein Messer auf den Tisch gelegt. Das ist mir beim Aufräumen runtergefallen und ich habe es auf die nächstbeste Ablage gelegt, aufs Fensterbrett. Da habe ich es vergessen. Warum der Täter unser Messer genommen hat? Ich hab ihn ja nicht fragen können. Vielleicht hat er unser Haus zuvor ausgekundschaftet oder er hatte ein eigenes Messer dabei und hat dann unseres gesehen und sich gedacht: Dann muss ich meines nicht schmutzig machen.

SZ: Wann haben Sie der Polizei von dem Messer berichtet?

Mannichl: Noch am gleichen Tag haben wir darauf hingewiesen, dass es aus unserem Haushalt stammt. Und von einem Lebkuchenmesser und einem angeblichen Brauch, Lebkuchen aufzuschneiden, habe ich nie gesprochen. Daraus eine Merkwürdigkeit zu konstruieren…

SZ: …zumindest dem Staatsanwalt erschien das merkwürdig wie auch das Fehlen von DNA-Spuren des Täters auf dem Messer oder auf Ihrer Kleidung.

Mannichl: Erst hieß es, es gebe keine DNA-Spuren, jetzt heißt es, es seien zu viele. Den Vorwurf der DNA-Spuren kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Anfang Januar hat die Staatsanwaltschaft geäußert, es fänden sich nur meine Spuren auf dem Messer. Damals hatte ich überhaupt noch keine DNA-Vergleichsprobe abgegeben. Das habe ich erst Ende Januar gemacht.

SZ: Auch am Pullover sind keine Spuren zu finden, hieß es von den Ermittlern.

Mannichl: Von welchen Ermittlern? Das ist absurd. Ich hatte überhaupt keinen Pullover an, sondern nur ein Hemd. Und der einzig gesicherte Kontakt, an den ich mich erinnern kann, war das Halten seines Armes. Ich habe den Mann nur mit meinen Händen am Arm gepackt. Jetzt heißt es, sogar der Messerstich soll nicht wirklich heftig gewesen sein. Ich kann nur eins sagen: Mir hat’s gereicht.

SZ: Was kritisieren Sie an den Ermittlungen?

Mannichl: An den Ermittlungen kritisiere ich überhaupt nichts. Ich kritisiere nur, dass Ermittlungsdetails zum Teil falsch in der Öffentlichkeit dargestellt wurden: zum Beispiel, dass die Waffe als Lebkuchenmesser bezeichnet wurde und gleich noch ein Brauch dazu erfunden wurde, den es gar nicht gibt. Für die Neonazis wurde das damit gleich zum Instrument des Spotts. Auch die Sache mit den DNA-Spuren oder dass unsere Kinder erst so spät aus dem Verdächtigenkreis genommen wurden, war für uns schwer, obwohl früh feststand, dass die Kinder es nicht gewesen sein konnten.

SZ: Was können Sie tun, um die weit verbreiteten Zweifel am Tatgeschehen zu zerstreuen?

Mannichl: Das ist nicht meine Aufgabe. Das ist doch das Perverse: Meine Familie und ich, wir sind zu Tätern gestempelt worden, obwohl es keinen einzigen Sachbeweis gegen uns gibt, null Komma null.

SZ: Warum ergreifen Sie jetzt das Wort? Immerhin hat das Innenministerium sogar rechtlich prüfen lassen, ob es Ihnen öffentliche Äußerungen verbieten kann, damit Ruhe in die Ermittlungen kommt.

Mannichl: Mir hat keiner einen Maulkorb verpasst. Aber wenn ich angegriffen werde, wehre ich mich. Das bin ich meiner Familie schuldig. Ich lasse mich nicht als verkappten Täter hinstellen. Immerhin hatte ich das Messer im Bauch.

SZ: Wie hat sich Ihr Leben seit der Tat verändert? Gehen Sie noch unbefangen an Ihre Tür?

Mannichl: Das Leben hat sich geändert für uns, aber nicht nur zum Negativen. Wir haben auch viel Zuspruch erfahren. Und an die Tür gehe ich wieder. Unbefangen aber nicht.

SZ: Sie haben sich auf einen Rechtsradikalen als Täter festgelegt. Warum kann es nicht jemand anderes gewesen sein, ein Auftragskiller zum Beispiel, immerhin haben Sie früher gegen die Organisierte Kriminalität ermittelt?

Mannichl: Das war nicht die Organisierte Kriminalität. Die hätte ich nicht überlebt. Die hätten mich auf dem Weg von der Arbeit abgefangen, da wäre einfach ein Autounfall passiert. Der Mann, der mich überfallen hat, war ein strammer, durchgeknallter Rechtsradikaler. Sie hätten seine Augen sehen sollen.

SZ: Ein Mann von der NPD?

Mannichl: Ich habe nie die NPD der Tat bezichtigt. Aber dort sitzen die geistigen Brandstifter. Die versuchen, einen Brand mit Benzin zu löschen. Die verspotten mich jetzt als Märtyrer der Nation. Ich bin kein Held und auch kein Märtyrer.

SZ: Glauben Sie, dass der Täter noch gefasst wird?

Mannichl: Mit Sicherheit. Das ist nur eine Frage der Zeit. Jeder macht irgend-wann einen Fehler. Das Entscheidende für uns ist, dass die Angst dann ein Ende hätte. Diese ständige Angst, dass der Täter seine Tat noch konsequent zu Ende bringt.

SZ: Sicherheitsexperten sagen: Wenn es ein Rechtsextremer aus Bayern oder Österreich war, dann hätte der längst gefunden werden müssen. Schließlich kennen die Behörden ihre Kundschaft und haben alle Neonazis in ihren Dateien erfasst.

Mannichl: Das ist absurd. Das ist so ähnlich, als ob man behauptet, alle potentiellen Bankräuber zu kennen.

 
 

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