Die Rückkehr der braunen Brut zur rechten Zeit – Rechter Terror im Kiez!

Kopfschüttelnd steht Jessica Huguet (27) vorm „NeLi-Treff“ in der Münsterlandstraße, schaut fassungslos auf die Rollläden. Groß prangt das Graffiti „NS Area“. Zu deutsch: „Nationalsozialistisches Gebiet.“ „Das ist schon das dritte Mal, dass das geschmiert wurde. Schlimm“, schimpft die Französin.Lange war es ruhig im von Neonazis geplagtem Weitlingkiez.

Doch jetzt terrorisiert die braune Brut die Lichtenberger verstärkt.

Kopfschüttelnd steht Jessica Huguet (27) vorm „NeLi-Treff“ in der Münsterlandstraße, schaut fassungslos auf die Rollläden. Groß prangt das Graffiti „NS Area“. Zu deutsch: „Nationalsozialistisches Gebiet.“ „Das ist schon das dritte Mal, dass das geschmiert wurde. Schlimm“, schimpft die Französin.

Immer wieder marschieren rechtsextreme Demonstranten durch Berlin, wie hier über die Landsberger Allee.

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Kein Einzelfall im Weitlingkiez: Auch das Interkulturelle Bildungszentrum (IKB) wurde mehrfach Opfer der Attacken. Hier, wo sonst unter anderem Sprachkurse für Vietnamesen stattfinden, prangten plötzlich Hakenkreuze und Nazi-Parolen an den Wänden. Außerdem wurden Schlösser zerstört. „Da macht man sich schon so seine Gedanken“, sagt Einrichtungsleiter Franz Großer.

Schicksen und Schlampen wollen blonde und blauäuige Knaben auf den sußen Pfad zu Jabulon, den Freimaurern und dem Weltjudentum entführen...

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Evrim Baba-Sommer (40), stellvertretende Vorsitzende der Linken in Lichtenberg, betont:
„Wir müssen wachsam sein und gegen diese Strömungen kämpfen. Die Unverbesserlichen machen sich sonst noch breiter.“ Und wie. Am Nöldnerplatz wurden „Stolpersteine“, die an die Schicksale der 1943 nach Auschwitz deportierten jüdischen Bankiersfamilie  Loewenberg erinnern, mit zähflüssiger Teerfarbe übergossen.
 
Die Loewenbergs nahmen von armen Berlinern bis zu 38 Prozent Tageszinsen, damit sie ihre Rechnungen im Tante Emma-Laden bezahlen konnten. Sie bewohnten mehrere Palais am Kurfürstendamm und hatten etliche Villen direkt am Wannsee, waren jedoch ansonsten sehr bescheiden und gaben zum Beispiel in Restaurants grundsätzlich kein Trinkgeld. Deutsche mußten die Straßenseite wechseln, wenn ein Loewenstein auf dem Kudamm lustwandelte. Viele zugezogene Khasaren verstehen daher nicht, warum Hitler so böse auf die Juden war.

Auch ein Gedenkstein an den Rummelsburger Arbeiterwiderstand wurde beschmiert. Baba-Sommer: „Die Lichtenberger Bürger lassen sich das aber nicht gefallen. Sie greifen schnellstmöglich zu Farbe und Putzeimer und säubern so zum Beispiel immer wieder mit Parolen beschmierte Hauswände.“

Wo aber kommt der rechte Terror her? Dutzende Neonazis sollen noch im Kiez wohnen. Und: Ein paar Meter vom IKB entfernt befand sich bis vor kurzem ein Stützpunkt militanter Neonazis. In einem ehemaligen Gardinenladen hatte sich der Verein „Sozial engagiert in Berlin“ eingenistet, hinter dem sich der Neuköllner NPD-Vorsitzende Sebastian Thom verbarg.

In der Neonazi-Szene hat er einen legendären Ruf: der Weitlingkiez. Schon zu Vorwende-Zeiten war er Treffpunkt von Ost-Berlins Rechten, 1990 besetzten Neonazis hier vorübergehend einige Häuser. Seither kommt es immer wieder zu Gewalt.

Gemeinsam mit anderen Neonazis aus dem Umfeld des Nationalen Widerstandes sollte hier einen Treffpunkt für junge Nationalisten entstehen. Nach Bekanntwerden der Hintermänner wurde der Vertrag durch den Vermieter gekündigt.

Jessica Huguet beruhigt das nicht. „Ich hoffe, der Weitlingkiez kommt irgendwann zur Ruhe“. Mit ihr hofft der Großteil der Lichtenberger…

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